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29.07.2015

Klein und praktisch – Masten für die Energiewende auf Herz und Nieren geprüft

„KoHöMaT“ – so lautet der Name eines vielversprechenden Forschungsprojekts. Da-hinter verbirgt ein Forschungs-Verbund aus Universitäten und Industrie, die einen wichtigen Beitrag zur sicheren und schonenden Umsetzung der Energiewende leisten wollen.


Nicht nur in Deutschland müssen die Übertragungsnetze erneuert und ausgebaut werden. Auch andere Staaten stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Bei dieser Leitungstrasse in Polen wurden auf 48 Kilometern Länge Kompaktmasten eingesetzt. So konnte der Platzbedarf für die Trasse so gering wie möglich gehalten werden.

Das gesteckte Ziel dieser Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft: Höhe der Masten und Breite der erforderlichen Stromtrassen durch den Einsatz von besonders kompakten Höchstspannungsmasten und -traversen (KoHöMaT) auf die Hälfte zu reduzieren – und durch moderne Materialien wie hochfestem Stahl, ultra-hochfestem Beton und glasfaserverstärktem Kunststoff die Kosten für kompakte Bauweisen weiter zu senken. Gefördert wird das im Oktober 2013 gestartete Projekt mit Bundesmitteln aus dem 6. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung.

 

Deutschland will die Energiewende, doch eine Trasse mit Monstermasten in unmittelbarer Nähe – das will keiner. Bürgerinitiativen verhindern den Bau von neuen Leitungen und der Netzausbau liegt weit hinter Plan. Ein Zusammenschluss der Firmen Europoles GmbH & Co. KG, LAPP Insulators GmbH, Fichtner GmbH & Co. KG sowie der Technischen Universitäten Braunschweig, Dresden und des Karlsruher Instituts für Technologie hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Konflikt zu lösen. Der Aufgabenbereich der Unternehmen umfasst die Herstellung von Masten, Traversen (Europoles) und Isolatoren (LAPP Insulators) sowie Planungs- und Beratungsleistungen für raumoptimierte Freileitungen (Fichtner). Die beteiligten Universitäten und Institute führen die wissenschaftlichen Tests durch, begleiten die Großversuche und sorgen für den Transfer der Ergebnisse durch wissenschaftliche Ergebnisberichte und Fachbeiträge in die Praxis. Aus den Monstermasten sollen kompakte Alternativen werden, die umwelt-, ressourcenschonend und wirtschaftlich sind.

 

Kompaktmasten und -traversen in vielen Ländern Europas bereits erprobt

 

Der Einsatz ähnlicher Kompaktmasten und -traversen ist in vielen Ländern Europas im Übertragungsnetz bereits bewährter Standard. Die Anforderungen an Sicherheit und Technik in Deutschland sind allerdings hoch: Eine einfache Wartung und der sichere sowie wirtschaftliche Betrieb muss über lange Jahre gewährleistet sein - und eine Vielzahl von Vorschriften und Normen eingehalten werden. Um diese Voraussetzungen zu erfüllen und ihre Belastbarkeit sowie Langlebigkeit zu testen, werden die Kompaktmasten in aufwendigen Versuchen gebogen, zerquetscht, erwärmt und sogar unter Strom gesetzt. Das Projekt wird im März 2016 beendet, aber bereits jetzt ist der Einsatz kompakterer Mastformen bei aktuellen Netzausbauprojekten technisch möglich.