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16.06.2014

Neumarkter Stützen gehen auf die Reise nach Algerien

Die Baustelle für die drittgrößte Moschee der Welt liegt mitten im Herzen der Bucht von Algier im westlichen Teil des Mittelmeers. Dorthin liefert der Neumarkter Mastenhersteller Europoles insgesamt 618 Betonstützen für das gewaltige Bauwerk, das eine muslimische Glaubensgemeinschaft für rund 1,1 Milliarden Euro in der algerischen Hauptstadt errichten lässt. Das Projekt „Moschee“ hat für Europoles große Bedeutung. Denn das Know-how und die Erfahrungen, die jeder der weit über 50 beteiligten Mitarbeiter täglich sammelt, bringen das gesamte Unternehmen weiter. Nicht zuletzt eröffnet der Auftrag auch Chancen auf den Gewinn ähnlicher Großprojekte. In der vergangenen Woche hat nun die 50. Stütze das Werk in Neumarkt verlassen und ist auf die lange Reise nach Algerien geschickt worden – Zeit, ein erstes Zwischenfazit zu ziehen.


Visualisierung Große Moschee Algier (Quelle: KSP Jürgen Engel Architekten)

Eine neue Dimension der Produktion

 

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet der gelernte Maurer Jürgen Queißer bereits bei Europoles. Derzeit produziert er zusammen mit vielen anderen Kollegen die Stützen für die Moschee. Trotz 30-jähriger Betriebszugehörigkeit ist ein solches Großprojekt auch für ihn etwas Besonderes. „Vom Personal her brauchen wir sicher das Doppelte, da im Vergleich zur Produktion einer normalen Stütze viel mehr Arbeitsschritte notwendig sind. Alleine für das Einbringen der Steckstoßverbindung am Stützenkopf sind vier Kollegen notwendig“, erklärt er. Die größten 32 der 618 achteckigen Schleuderbetonstützen aus hochwertigem Weißbeton sind dreiteilig und haben eine Gesamtlänge von 36 und einen Durchmesser von 1,62 Metern. „Die Produktion und das abschließende Nachbearbeiten einer solchen Stütze nehmen ungefähr drei Tage in Anspruch“, gibt Queißer einen Einblick in den zeitlichen Ablauf. „Wir haben zwar schon einmal Lichtmasten aus Weißbeton hergestellt, aber nicht in dieser Größenordnung. Das hier ist eine andere Dimension. Jetzt haben wir in der Halle dafür ein einzigartiges Förderband. Während sich die Form dreht, wird der Beton nach und nach eingefüllt, das sorgt für eine gleichmäßige Verteilung“, ergänzt Stahlbetonbauer Florian Bartel. Nachdem die Stütze das Betonmastenwerk verlassen hat, geht es auf den eigens dafür angelegten neuen Lagerplatz.

 

Musterstütze im Europoles-Mastenpark

 

Ab hier übernimmt dann Alfons Hollweck. „Die Stützen gehen per Bahn nach Bremen“, sagt der Verladevorarbeiter. „Zuerst werden sie in eine Schutzfolie gegen Verschmutzung und Wasser gepackt und dann mit dem Kran auf die entsprechenden Wagons gehoben. Der Kran schafft ein Gewicht von 65 Tonnen“. Gut die Hälfte wiegt eine Schleuderbetonstütze für die Moschee im Schnitt. Wegen der Länge der Stützen werden zwischen beladenen Waggons immer wieder leere Schutzwaggons eingesetzt, um einen sicheren Transport zu gewährleisten. Gut drei Stunden müssen eingerechnet werden, bis eine einzige Stütze verladen ist. Nach der Verladung rollt der Zug aus dem Werksgelände in Richtung Bremen. Dort werden die Stützen abgenommen, noch einmal komplett verpackt und schließlich per Schiff nach Algerien transportiert. Eine Stütze verbleibt jedoch fest in Neumarkt. Denn das Projektteam hat im Europoles-Mastenpark ein beeindruckendes Exemplar mit 22,5 Metern Höhe und 1,10 Metern Durchmesser als Muster aufgestellt. Nachdem am Kopf der Musterstütze eine Abhebevorrichtung angebracht wurde, ist die Stütze mit Hilfe eines 400-Tonnen-Krans aufgerichtet und anschließend auf dem Fundament festgeschraubt worden. Innerhalb von zwei Stunden hat die Europoles-Serviceabteilung die Stellung dieser Musterstütze bewältigt. „Das ist eine Originalstütze mit einem Kapitell, das die Dachkonstruktion trägt. Genauso wird sie in Algier aufgestellt“, führt der Technische Projektleiter Michael Biederer aus. „Innen sind Leerrohre zum Beispiel für Kameratechnik oder Lampen integriert. Außerdem hat sie wie alle Stützen die Infrastruktur zur Entwässerung. Die komplette Dachfläche der Moschee wird über unsere Schleuderbetonstützen entwässert.“ Und während bereits 50 tragende Säulen der Moschee die Reise zu ihrem Bestimmungsort angetreten haben, werden in Neumarkt schon wieder die Nächsten produziert.

 

So wird das noch eine ganze Weile gehen. Bis der gesamte Auftrag abgearbeitet ist, wird es sicher Frühjahr 2015 werden. Doch schon jetzt warten die Europoles-Mitarbeiter mit Spannung auf die ersten Fotos der fertigen Moschee, zu deren Bau sie einen wesentlichen Teil beigetragen haben.